© 2018 Andreas Giesen

Ein Wald hat zahlreiche Funktionen. Er speichert Kohlendioxid, reguliert den Wasserhaushalt, filtert unsere Luft und liefert natürlich Holz. Darüberhinaus, und das macht ihn im Vergleich zu anderen Landschaftsformen so wertvoll, ist er Lebensraum von unzähligen Arten von Tieren.
 
Für uns Menschen bietet er nicht nur Erholung, sondern ist seit jeher Sehnsuchtsort.  Nichts ist inspirierender, gesünder und geheimnisvoller als durch einen natürlich  gewachsenen, wilden Wald zu laufen.

Leider prägen immer noch aufgeräumte Wirtschaftswälder unser Landschaftsbild. Auch wenn die bundesdeutschen Forstbehörden den Umbau monotoner Kiefern- und Fichtenkulturen, hin zu Mischwäldern forcieren, sehen viele heimische Wälder trostlos und langweilig aus. Und sie sind es auch. Je geringer die Pflanzen- und Baumvielfalt, je weniger Totholz im Wald, desto weniger Insekten und Diversität an Vogel- und Wildarten. So einfach ist das.

So sieht ein trostloser Kiefern- Wirtschaftswald aus: Eine Baumart,
eine Altersklasse

Schon besser: Roteichen und Bergahorn, verschiedene Baumarten, unterschiedliche Altersklassen

 

Jeden Tag werden mehr als 60 ha Wald in Deutschland für bauliche Maßnahmen gerodet und das Land für Jahrzehnte versiegelt. Siedlungen rücken näher an Feld und Wald heran und verkleinern die Lebensräume für Tiere und Pflanzen und letztlich auch für uns Menschen.

PROJEKTSTART

Mein Ziel war und ist es abwechslungs- und artenreiche Naturwälder zu formen und zu bewahren.

Im Jahre 2006 hatte ich in dem verschlafenen Ort Kirch Jesar in Mecklenburg-Vorpommern, die Gelegenheit 10 Hektar ausgelaugten Ackerbodens und monotonen Kiefernwaldes  zu erwerben.
Diese ließ ich mir nicht entgehen. Das Projekt Wilder Wald konnte starten.
 
Um aus einem ausgelaugten Acker einen naturnahen Wald zu machen, muss man eigentlich nicht viel tun. Wald wächst von alleine. Das dauert allerdings. Um das Projekt zu forcieren, beschloss ich, den gesamten Acker einzuzäunen und eine erste, partielle Aufforstung durchzuführen. Ich setzte dabei auf Tannen, Stieleichen und vor allem Esskastanien. Weitere Baumarten, so war ich mir sicher, würden sich schon bald durch eine natürliche Ausbreitung über Wind und Vögel, einfinden.

Und so war es auch. Schon nach 3 Jahren entdeckte ich im Grasbewuchs die ersten zarten Kieferntriebe. Auch Birken- und Eichensamen wehten von nahe gelegen Mutterbäumen ein und entwickelten sich rasch zu kleinen Bäumchen.

Ausgelaugter Acker

Einzäunung zum Schutz der Jungpflanzen
vor Damwild

Freunde und Familie helfen bei der ersten Aufforstung

Kiefern und Birken sind Lichtbaumarten. Sie wachsen hervorragend auf offener Fläche. Pralle Sonne und Wassermangel machen ihnen nichts aus. Buchen, Eichen, Esskastanien hingegen mögen  lieber Halbschatten. Es ist schön zu sehen, wie die Esskastanien im Schutz der schnell wachsenden Kiefern gedeihen.

2012, 2 m hohe Kiefern nach 5 Jahren

2018, Kiefern überragen die Tannen

2018, 10 jährige Esskastanie, voller Früchte

Nach gut 10 Jahren ist mittlerweile aus einem einst staubigen Acker ein kleines Naturparadies geworden. Zahlreiche Schmetterlinge und Vogelarten (z.B. Feldlerche), die aktuell auf der Roten Liste bedrohter Tierarten stehen, lassen sich hier beobachten. Natürlich gibt es auch Füchse und Schlangen (Ringelnatter).

2016 bot sich die Gelegenheit das Projekt Wilder Wald auszudehnen. Ich kaufte in der näheren Umgebung weitere 22 ha Wald dazu. Hierzu zählen Schläge mit Roteichen und Bergahorn, Kiefern und Birken sowie einige Altkiefern- Schläge. Um auch hier möglichst die gewünschte Mischwald- Bandbreite zu realisieren, wurden zwischen die Kiefern Reihen von Buchen, Eschen und Birken gesetzt.

Roteichen-Wald, ca. 20 Jahre alt

Junge Buchen, Eschen und Birken werden zwischen den

Altbestand an Kiefern gesetzt.

Bis vor einigen Jahren hätte man die abgeholzten Alt-Kiefern noch 1:1 durch eine monotone Jungkiefernschonung  ersetzt.